Das Wetter möchte beweisen, dass man sich im arktischen Gebiet aufhält und schickt über Nacht Kälte und Wind. Der Marco Polo Bus wackelt über Nacht und ich behalte während dieser Turbolenzen meinen Schlafsack sicher und fest geschlossen. Bei Schneeregen startet dann auch meine Besichtigung von Hammerfest. Die Stadt wirbt damit, die nördlichste Stadt Europas zu sein. Hammerfest ist wirklich erkennbar eine Stadt. Streng genommen haben aber ein paar kleinere Orte mittlerweile auch einen Stadt Status erhalten und somit gibt es eigentlich noch nördlichere Städte. Eine davon wird mein heutiger Nachtstop. Aber zunächst will ich ja Hammerfest kennenlernen, dass wegen des Feiertags erstmal fast ausgestorben war. Als kurz darauf ein Hurtigruten Schiff, die Kong Harald, anlegt, erwacht die Stadt doch noch zum Leben. Über das Leben in der Stadt, im Eismeer und in der Vergangenheit informiert eine Ausstellung der Royal and Ancient Polar Bear Society, kurz der Eisbärclub (isbjornklubben). Man kann in Hammerfest auch Mitglied im Eisbärclub werden und erhält eine Mitgliedsurkunde, einen Ausweis sowie eine Eisbäranstecknadel. Und ich kann voller Stolz verkünden, nun Mitglied zu sein. Die Geschichten der Seefahrer, Jäger und Forscher, die von Hammerfest aus ins Eismeer, nach Spitzbergen oder in die Polarregion starteten, sind abenteuerlich. Nicht alle überlebten, manche Schiffe wurden im Eis gefangen und waren verloren. Dagegen ist eine Reise mit einem beheizten Marco Polo Bus durch Norwegen ein relativ risikoarmes Abenteuer.
In Hammerfest steht auch der nördlichste Vermessungspunkt des skandinavisch-russischen Meridianbogens, auch Struve Bogen genannt nach dem Geodät. Die Messpunkte reichen bis zum Schwarzen Meer und wurden bis 1852 erstellt. Aktuellere Satelliten Vermessungen haben ergeben, dass man damals auf 100m genau war mit den Messpunkten.
Nach dem Besuch des Messpunkts war es Zeit, sich aufzuwärmen. Also zurück in den beheizten Marco Polo und auf die Straße. Nun geht es ganz nah ans Nordkapp heran. Unterwegs bewundere ich viele Rentiere, die sich unbeeindruckt zeigen von Kälte und Schnee. Als ich in Honningsvåg beim Nordkapp Campingplatz ankomme, stehen einige Touristen traurig zusammen. So kurz vor dem Ziel (27km) konnten sie das Nordkapp doch nicht erreichen, da die Straße wegen des Wetters gesperrt worden ist. Doch für morgen ist die Vorhersage wieder gut, der kurze Wintereinbruch soll vorbei sein und dann auch die Straße wieder offen. Ich habe mich erstmal für 2 Nächte in einer kleinen Hütte eingerichtet für den nördlichsten Zwischenstopp und die örtliche Ice Bar in Honningsvåg besucht (ist doch ein passender Platz für einen kalten Tag). Das Glas aus Eis habe ich danach einer Tradition folgend über die Schulter ins Meer geworfen und mir etwas gewünscht. Das soll wohl in Erfüllung gehen. Na mal sehen... Die Gäste vor mir haben sich gewünscht, dass die Straße zum Nordkapp wieder offen sein soll.
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