Freitag, 17. August 2018

Sleepless Nights

Juli 2018

Das Hotel in São Paulo hat eine tolle Lage. Die Zimmer sind ok, die Einrichtung hat aber ihre beste Zeit schon hinter sich. Eine Geräuschdämmung zwischen den Zimmern des Hotels gibt es allerdings gar nicht. Ob draußen oder drinnen Geräusche entstehen, im Hotelzimmer kann man diese alle hören. Und so wache ich in einer Nacht plötzlich auf. Und muss mich erstmal orientieren. Wenn man aus dem Schlaf gerissen wird, geht manches nur in Zeitlupe. Also erstmal rausfinden, wo wie wann und warum... 
Kein Wecker, also anscheinend nicht Zeit zum Aufstehen. Kurzer Check des Handy Displays: 2:32Uhr morgens. Die Wahrnehmung nimmt nun weiter zu und gleichzeitig höre ich nun ein quietschendes Klopfen. Wohl aus dem Nebenzimmer. Aber in einer Lautstärke, als wäre es direkt neben meinem Bett. Woher und warum also dieses Geräusch von nebenan. Das in diesem Moment einsetzende lustvolle Stöhnen beantwortet die Frage. Da rocken also 2 (meine Annahme) die brasilianische Nacht. Das lustvolle Stöhnen wird lauter und intensiver. Und meine Hoffnung auf schnelle Fortsetzung meines Schlafs schwindet zunächst. Also nutze ich die Schlafunterbrechung und gehe in meinen Gedanken spazieren. Und so denke ich gerade über Augen und Selfies nach, als wieder Ruhe einkehrt. Naja, das ging ja dann noch einigermaßen schnell. Ich drehe mich und suche nach einer bequemen Wiedereinschlafposition. 
Ein Aufschrei lässt mich wieder hochfahren. Nun setzt das Quietschen wieder ein. Und auch das Stöhnen. Allerdings nicht mehr lustvoll, sondern nun schmerzlich unterlegt. So eine Art Stöhnwimmern. Mmhh, ohne es wirklich zu wollen, setzen meine Gedanken die Puzzle Stücke zusammen. Ob ihr das gefällt? Oder macht sie das ihm zuliebe. Jedenfalls stöhnt und wimmert sie tapfer immer weiter. Dem Quietschen der Federn nach hat sie da was mit dem Bett gemeinsam. Hoffentlich hält die Wand das aus, denke ich, es reicht ja, wenn die Geräusche rüber kommen. Wie lange dauert denn so ein nächtliches Spiel? Gibt es Statistiken dazu? Und sind die in Brasilien gleich wie in Europa? Oder länger? Wer weiß... 
Doch den Gedanken kann ich nicht beenden, denn ein Schreck durchfährt mich. Mit dem Knall hab ich nicht gerechnet. Und gleich nochmal. Laut knallt es nacheinander und wird quittiert von kurzen Schreien, die immer wieder in wimmerndes Stöhnen übergehen. Das Geräusch kennt man eher von Pferden und Reitern, ah ok, ich verstehe... Also geräuschmäßig bekommt man was geboten in dieser Nacht zwischen zwei Werktagen in Brasilien. 
Da es nicht die einzige nächtliche Geräuschkulisse ist in den 3 Wochen Aufenthalt in Brasilien, kann ich nun auch sagen, dass man die Frauen relativ durchgängig hört. Aber den männlichen Gegenpart zu hören, kündigt das jeweilige Ende der nächtlichen Showeinlage an. Und so war es nun auch in dieser Nacht. 
Die Frage, ob es ihr denn auch gefallen hat, beantwortet sich noch dadurch, dass das Klappen der Nachbarzimmertür und ihr Lachen von draußen sowie die Schritte Richtung Lift ihren unmittelbaren Abgang untermalen, während der Herr nebenan unter einem letzten Aufquietschen des Bettes seine endgültige Schlafposition einnimmt. Und so finde auch ich final zurück in die Welt der Träume. Ohne Peitschen. Das nächste Geräusch ist dann tatsächlich mein Wecker... 
Schlafmangel bringt das Böse im Menschen zum Vorschein. Richtig müde und sehr böse funkele ich die Uhr an. Die Erinnerung an die Nacht und die Lautstärke von nebenan keimt wieder auf. Meine Augen beginnen dämonisch rot im Dunkeln zu leuchten. Meine Hand greift zur TV Fernbedienung und dreht CNN auf Laut. Sehr laut. Kurz darauf knallt es. Diesmal ist es keine Peitsche, sondern meine Badezimmertür. ....



Selfies mit Durchblick

Juni 2018

Ich bin selber ein großer Fan von Selfies. Man ist irgendwo und möchte vor etwas Großartigem fotografiert werden. Das macht man dann einfach selbst und hat so den verschickbaren Beweis, da gewesen zu sein. Erinnerungskonserven, die man irgendwann wieder hervorholen kann. Beim Besuch der Iguacu Wasserfälle in Brasilien habe ich natürlich Selfies gemacht. Dabei beobachtete ich auch andere Selfie Fotografen und -innen. Und eine Fotografin fiel mir besonders ins Auge. Denn sie trug ein Kopftuch. Und zwar so, dass nur die Augen aus dem Tuch herausschauten. So verschleiert stellte sie sich am Viewpoint ganz nach vorne und portraitierte sich selbst mit den Wasserfällen. Mein erster Gedanke: wieso ein Foto von sich machen, wenn man sich nicht erkennen kann bzw. wenn, dann nur an den Klamotten. Ich schaue weiter teils belustigt, teils interessiert und neugierig zu. Und muss meinen ersten Gedanken revidieren. Augen sind eine intensive Sache, sie sind eindeutig wiedererkennbar und sagen eine ganze Menge. Beim Beobachten konnte ich schließlich wirklich die Begeisterung und Freude über den tollen Platz in den Augen der Frau ablesen. Details, die man sonst auch mal gerne übersieht. 
Fazit: Portraits, die nur die Augen zeigen, machen doch Sinn. 

Eine Woche später lerne ich noch eine weitere Variante des Selfies mit Kopftuch in Rio de Janeiro kennen. Und zwar an der Christus Statue, vor der viele Touristen und Selfie Jäger zu finden sind. An diesem Tag inklusive mir selbst. Da es sich um eine Christus Statue handelt, war ich überrascht, eine mit Kopftuch verschleierte Frau zu sehen, die ein Selfie von sich und Christus macht. „Jesus“, dachte ich bei mir. Es stellte sich aber heraus, dass es sich nur um eine Art von Humor handelte, denn nach dem Selfie nahm sie das Kopftuch ab und zog die Kette mit dem Kreuz wieder unter der Bluse hervor....



Peking – die Stadt der Apps

November 2017

Eine Dienstreise nach China bringt mich nach Peking und zum Glück habe ich mein Smartphone dabei. Bestückt mit Apps. Und immer geladen. Ich bin nach der Arbeit noch in der Stadt mit Kollegen zum Essen verabredet. Diesmal will ich per U-Bahn zum Treffpunkt gelangen. In der U-Bahn ist alles zweisprachig und auch sehr günstig. Damit man seinen Weg findet, kann man natürlich wie bei allem in Peking eine App nutzen. Nachdem ich den Zielort als „Needle“ in einer Chat Message auf mein Smartphone erhalten hab. Und so finde ich sicher zum Mexikaner in einer ganzen kleinen Nebengasse. Nach einem lustigen Abend hab ich mich dann auf den Rückweg zum Hotel gemacht. Gerade will ich per App ein Taxi rufen (denn die U-Bahnen fahren erst ab 05:30 wieder), da hält zufällig eines vor mir. Ich zeige brav meine in chinesisch geschriebene Karte vom Hotel mit der Adresse, welche der Fahrer wiederum natürlich in eine App eingibt bzw. Einspricht. So erhält er die beste Route und die aktuelle Verkehrslage ausspuckt. Gegen Abend sind Taxis gut ausgelastet, als nächstes tippt er den überhöhten Preis ein, den er fordern möchte. Ich will heim, also nicke ich und sage „zou ba“ (los gehts). Der Fahrer startet nun ein Gespräch, daher sage ich: „tingbudong“ (ich höre, aber verstehe nicht). Aber Peking wäre nicht Peking, wenn sich nicht auch dies per App lösen ließe. Also spricht der Fahrer nun ins Telefon, welches mir dann die englische Übersetzung über die Autolautsprecher ausgibt. Woher ich komme will er wissen. Wie lange ich schon in China bin und wie es mir gefällt. Nachdem sein Handy ihm auf chinesisch erzählt hat, was ich dem Handy auf englisch antwortete, lässt die Stimme aus dem Radiolautsprecher vom Taxifahrer ausrichten: „You are very humorous. China welcomes you.“ Ich bin gerührt und durchsuche meinen sehr beschränkten Wortschatz: „xiexie ni“ (vielen Dank). Auch für diese Science Fiction Welt, in der man alles per App lösen kann, denke ich noch im Stillen....



Norwegen 2022 - 7

Letzter Stop in Norwegen ist die Stadt Oslo, denn von hier startet die Fähre nach Kiel. Aber wir sind einen Tag vorher da und können so die ...