Juni 2018
Ich bin selber ein großer Fan von Selfies.
Man ist irgendwo und möchte vor etwas Großartigem fotografiert werden. Das
macht man dann einfach selbst und hat so den verschickbaren Beweis, da gewesen
zu sein. Erinnerungskonserven, die man irgendwann wieder hervorholen kann. Beim
Besuch der Iguacu Wasserfälle in Brasilien habe ich natürlich Selfies gemacht.
Dabei beobachtete ich auch andere Selfie Fotografen und -innen. Und eine
Fotografin fiel mir besonders ins Auge. Denn sie trug ein Kopftuch. Und zwar
so, dass nur die Augen aus dem Tuch herausschauten. So verschleiert stellte sie
sich am Viewpoint ganz nach vorne und portraitierte sich selbst mit den
Wasserfällen. Mein erster Gedanke: wieso ein Foto von sich machen, wenn man
sich nicht erkennen kann bzw. wenn, dann nur an den Klamotten. Ich schaue
weiter teils belustigt, teils interessiert und neugierig zu. Und muss meinen
ersten Gedanken revidieren. Augen sind eine intensive Sache, sie sind eindeutig
wiedererkennbar und sagen eine ganze Menge. Beim Beobachten konnte ich
schließlich wirklich die Begeisterung und Freude über den tollen Platz in den
Augen der Frau ablesen. Details, die man sonst auch mal gerne übersieht.
Fazit:
Portraits, die nur die Augen zeigen, machen doch Sinn.
Eine Woche später lerne
ich noch eine weitere Variante des Selfies mit Kopftuch in Rio de Janeiro kennen.
Und zwar an der Christus Statue, vor der viele Touristen und Selfie Jäger zu
finden sind. An diesem Tag inklusive mir selbst. Da es sich um eine Christus
Statue handelt, war ich überrascht, eine mit Kopftuch verschleierte Frau zu
sehen, die ein Selfie von sich und Christus macht. „Jesus“, dachte ich bei mir.
Es stellte sich aber heraus, dass es sich nur um eine Art von Humor handelte,
denn nach dem Selfie nahm sie das Kopftuch ab und zog die Kette mit dem Kreuz
wieder unter der Bluse hervor....


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