Juli 2018
Das Hotel in São Paulo hat eine tolle
Lage. Die Zimmer sind ok, die Einrichtung hat aber ihre beste Zeit schon hinter
sich. Eine Geräuschdämmung zwischen den Zimmern des Hotels gibt es allerdings
gar nicht. Ob draußen oder drinnen Geräusche entstehen, im Hotelzimmer kann man
diese alle hören. Und so wache ich in einer Nacht plötzlich auf. Und muss mich
erstmal orientieren. Wenn man aus dem Schlaf gerissen wird, geht manches nur in
Zeitlupe. Also erstmal rausfinden, wo wie wann und warum...
Kein Wecker, also
anscheinend nicht Zeit zum Aufstehen. Kurzer Check des Handy Displays: 2:32Uhr
morgens. Die Wahrnehmung nimmt nun weiter zu und gleichzeitig höre ich nun ein
quietschendes Klopfen. Wohl aus dem Nebenzimmer. Aber in einer Lautstärke, als
wäre es direkt neben meinem Bett. Woher und warum also dieses Geräusch von
nebenan. Das in diesem Moment einsetzende lustvolle Stöhnen beantwortet die
Frage. Da rocken also 2 (meine Annahme) die brasilianische Nacht. Das lustvolle
Stöhnen wird lauter und intensiver. Und meine Hoffnung auf schnelle Fortsetzung
meines Schlafs schwindet zunächst. Also nutze ich die Schlafunterbrechung und
gehe in meinen Gedanken spazieren. Und so denke ich gerade über Augen und
Selfies nach, als wieder Ruhe einkehrt. Naja, das ging ja dann noch einigermaßen
schnell. Ich drehe mich und suche nach einer bequemen Wiedereinschlafposition.
Ein Aufschrei lässt mich wieder hochfahren. Nun setzt das Quietschen wieder
ein. Und auch das Stöhnen. Allerdings nicht mehr lustvoll, sondern nun
schmerzlich unterlegt. So eine Art Stöhnwimmern. Mmhh, ohne es wirklich zu
wollen, setzen meine Gedanken die Puzzle Stücke zusammen. Ob ihr das gefällt?
Oder macht sie das ihm zuliebe. Jedenfalls stöhnt und wimmert sie tapfer immer
weiter. Dem Quietschen der Federn nach hat sie da was mit dem Bett gemeinsam.
Hoffentlich hält die Wand das aus, denke ich, es reicht ja, wenn die Geräusche
rüber kommen. Wie lange dauert denn so ein nächtliches Spiel? Gibt es
Statistiken dazu? Und sind die in Brasilien gleich wie in Europa? Oder länger?
Wer weiß...
Doch den Gedanken kann ich nicht beenden, denn ein Schreck
durchfährt mich. Mit dem Knall hab ich nicht gerechnet. Und gleich nochmal.
Laut knallt es nacheinander und wird quittiert von kurzen Schreien, die immer
wieder in wimmerndes Stöhnen übergehen. Das Geräusch kennt man eher von Pferden
und Reitern, ah ok, ich verstehe... Also geräuschmäßig bekommt man was geboten
in dieser Nacht zwischen zwei Werktagen in Brasilien.
Da es nicht die einzige
nächtliche Geräuschkulisse ist in den 3 Wochen Aufenthalt in Brasilien, kann
ich nun auch sagen, dass man die Frauen relativ durchgängig hört. Aber den
männlichen Gegenpart zu hören, kündigt das jeweilige Ende der nächtlichen
Showeinlage an. Und so war es nun auch in dieser Nacht.
Die Frage, ob es ihr
denn auch gefallen hat, beantwortet sich noch dadurch, dass das Klappen der
Nachbarzimmertür und ihr Lachen von draußen sowie die Schritte Richtung Lift
ihren unmittelbaren Abgang untermalen, während der Herr nebenan unter einem
letzten Aufquietschen des Bettes seine endgültige Schlafposition einnimmt. Und
so finde auch ich final zurück in die Welt der Träume. Ohne Peitschen. Das nächste
Geräusch ist dann tatsächlich mein Wecker...
Schlafmangel bringt das Böse im
Menschen zum Vorschein. Richtig müde und sehr böse funkele ich die Uhr an. Die
Erinnerung an die Nacht und die Lautstärke von nebenan keimt wieder auf. Meine
Augen beginnen dämonisch rot im Dunkeln zu leuchten. Meine Hand greift zur TV
Fernbedienung und dreht CNN auf Laut. Sehr laut. Kurz darauf knallt es. Diesmal
ist es keine Peitsche, sondern meine Badezimmertür. ....



